Die Undurchschaubaren des TV Marktsteft

Mit zwei Siegen ist Marktstefts Männern ein perfekter Start gelungen. Warum Trainer Stefan Knötgen sein Team dennoch für eine Wundertüte hält.

inen Start nach Maß haben die Handballer des TV Marktsteft in die neue Saison in der Bezirksoberliga erwischt. Nach zwei Siegen zum Auftakt steht die Mannschaft verlustpunktfrei an der Tabellenspitze, sie schickt sich an, eine ähnlich gute Rolle wie vorige Runde zu spielen. Da hatte das Team als Landesliga-Absteiger den zweiten Tabellenplatz errungen und nur knapp den direkten Wiederaufstieg verpasst.

Ist die Zeit also reif für die Landesliga-Rückkehr?

So weit mag sich der neue Trainer Stefan Knötgen angesichts des frühen Saisonzeitpunkts nicht aus dem Fenster lehnen. „Wir hatten einen super Start und wollen so lange wie möglich da oben bleiben. Aber ob es am Ende reicht, wird man sehen. Wir haben noch 20 Spiele vor uns, und es kommen noch starke Gegner auf uns zu“, sagt er. Er rechnet also mit erbittertem Widerstand der Konkurrenz.

 

Erste Signale, dass sie sich zu wehren wissen, haben die Marktstefter allerdings schon gesendet. Weder der HSG Volkach (36:25) noch dem TSV Partenstein (21:15) ließen sie an den ersten beiden Spieltagen eine Chance.

Der gelungene Start war aus Sicht des Klubs um so erfreulicher, als die Vorbereitung laut Trainer Knötgen alles andere als optimal gelaufen war. Immer wieder musste er auf wichtige Spieler verzichten. So konnten Automatismen nicht wie gewünscht einstudiert werden. „Es war eine Wundertüte, wo wir stehen“, musste sich Knötgen selbst überraschen lassen, was seine Jungs auf den Hallenboden zaubern würden.
 Doch was er zu sehen bekam, gefiel ihm. Besonders gegen sein Ex-Team der HSG Volkach, das er noch vergangene Saison betreut hatte, setzte die Mannschaft seine Strategie bereits sehr gut um. „60 Minuten Tempohandball, viele leichte Tore und wenig Verschnaufpausen für den Gegner“ – so beschreibt Knötgen seine Spielidee in Kürze. Sie ist vor allem dann umsetzbar, wenn er, wie gegen Volkach seine jungen Wilden aus der A-Jugend auf die Platte schicken kann. Sechs an der Zahl sind es, die – wenn es keine Überschneidungen mit dem Spielplan der A-Junioren-Bayernliga gibt – in den Kader der ersten Mannschaft aufrücken.

Es ist ein erfolgversprechendes Modell, zeigen die Jungspunde doch, dass sie auch bei den Erwachsenen problemlos mithalten können. In Luca Matern war ein Vertreter der Nachwuchsgarde gegen Volkach beispielsweise mit fünf Treffern bereits zweitbester Torschütze seines Teams. Mit ein Grund, weshalb Knötgen seine Mannschaft als die „Undurchschaubarste“ dieser Liga bezeichnet. Während es bei vielen Kontrahenten klar sei, auf welche Spieler man sich besonders konzentrieren müsse, sei der Marktstefter Kader sehr ausgeglichen besetzt und damit unberechenbar für den Gegner. Erst recht, da das Personalkarussell in Marktsteft mitunter mächtig Fahrt aufnehmen kann.

Denn wenn die Nachwuchsspieler aufgrund einer Termin-Kollision für die A-Junioren im Einsatz sind, treten ältere, erfahrenere Akteure aus der dritten Mannschaft an ihre Stelle. So geschehen zuletzt in Partenstein, wo die Routiniers ihre Sache allerdings ebenso gut machten. „Die wichtigste Erkenntnis aus den beiden Spielen war für mich, dass beide Anzüge passen – ob jung oder alt“, sagt Knötgen, der jedoch auch weiß, dass es immer noch etwas besser geht. Mehr Ruhe, mehr Abgeklärtheit und eine bessere Chancenverwertung wünscht er sich von seinem Team.

Attribute, die auch im anstehenden Derby an diesem Samstag gegen die viertplatzierte HSG Mainfranken hilfreich sein dürften. „Beide Mannschaften kennen sich in- und auswendig. Entscheidend wird sein, wem es gelingt, die Schlüsselspieler des Gegners besser auszuschalten“, sagt Knötgen. Vorteil Marktsteft also, möchte man meinen. Denn von denen hat Marktsteft laut Trainer ja einige.