Marktsteft und sein kurzes Abenteuer

Nach dem Abstieg des TV Marktsteft aus der Landesliga zieht der scheidende Trainer Vitkovic eine ernüchternde Bilanz. Einem Teil der Mannschaft habe der Wille gefehlt.

Fünf Siege, ein Unentschieden, letzter Tabellenplatz: Das Kapitel Landesliga hatten sich die Handballer des TV Marktsteft anders vorgestellt. Der Mannschaft um Trainer Vilo Vitkovic (43) wurde deutlich aufgezeigt, dass der Schritt in die nächsthöhere Spielklasse größer ist, als es mancher wahrhaben mochte. Von Beginn an war es nicht richtig gelaufen. Allerdings meint Vitkovic, dass nicht jeder bereit gewesen sei, den Mehraufwand zu leisten, der für den Klassenverbleib erforderlich gewesen wäre. So fällt die Bilanz eher ernüchternd aus. Vitkovic hört zwar als Trainer der Männer auf, er bleibt dem Verein aber in anderer Funktion erhalten.

Frage: Das Abenteuer Landesliga ist für Marktsteft nach nur einer Saison beendet. Wie sehen Sie das Ganze mit etwas Abstand?

Vilo Vitkovic: Wir haben schon vor der Runde gesagt, dass sich einiges ändern muss, etwa der Trainingsprozess und der Umfang, auch was Verstärkungen betrifft. Da ist uns nicht alles gelungen. Um so schwerer war die ganze Saison. Man kann sagen, dass es nur ein Versuch war, die Landesliga zu halten.

 

Es schien Ihnen von Beginn an klar, dass es so schwierig würde?

Vitkovic: Ja, aber man muss doch optimistisch in die Runde gehen. Wir mussten gleich zu Beginn Ausfälle kompensieren. Aus dem Kader, der zuvor Meister wurde, fehlten Gabor Csorba, Franz Hetterich und Michael Bayer. Dazu waren anfangs Dennis Schmidt und Florian Lang in Urlaub. Entsprechend heftig war der Start, die Ergebnisse zu Beginn haben es ja gezeigt.

Von Euphorie also keine Spur?

Vitkovic: Nein. Das zog sich die gesamte Hinrunde durch, wir haben nie richtig Fuß gefasst, haben einige richtige Klatschen bekommen. Vier Punkte aus der Vorrunde, das ist einfach zu wenig, wenn man die Liga halten will. Gegen die Mitaufsteiger haben wir verloren, nur gegen Fichtelgebirge und Hochfranken gelangen uns daheim Siege. Das reicht nicht.

Es fehlten die Erfolge, damit die Mannschaft Schwung aufnimmt?

Vitkovic: Ja, oder zumindest knappe Ergebnisse, um Selbstbewusstsein zu tanken. Aber wenn du im Hinterkopf hast, dass von den sieben Mann der Startformation fünf nicht dabei sind, ist es schwierig. Es lief nicht, wie wir uns das vorgestellt hatten. Kampf allein reicht nicht in der Landesliga, da muss man auch ein bisschen Qualität zeigen.

Hättet Ihr mit der Bestbesetzung von Beginn an eine Chance gehabt, die Klasse zu halten?

Vitkovic: Wir hätten sicher in den Heimspielen mehr als vier Punkte geholt. Aber es zog sich bereits durch die gesamte Vorbereitung, manche Spieler kamen damit nicht klar. Neuzugänge hatten wir kaum. Florian Schneider war eine Verstärkung, aber auch er brauchte etwas Zeit. Es gab einige Dinge, die nicht gepasst haben. Wir waren gezwungen zu improvisieren.

Hat der ein oder andere Akteur die Liga unterschätzt? Oder war die Mannschaft einfach zu unerfahren?

Vitkovic: Bezirksoberliga und Landesliga sind zwei Welten, der Sprung ist groß. Da muss man voll dabei sein, körperlich fit, nur so kannst du bestehen. Die etablierten Mannschaften haben spielerisch ein anderes Niveau, die Spieler haben mehr Qualität. Teilweise wird mit Harz gespielt, die Würfe sind anders, die Torhüter sind besser. Man muss richtig Gas geben. In der Vorrunde war für uns das Spiel gelaufen, wenn wir mit fünf Toren zurücklagen. Wenn du in der ersten Halbzeit schon so weit abgeschlagen bist, ist das für eine unerfahrene Mannschaft ganz schwierig.

Also wart Ihr doch zu grün, zu jung?

Vitkovic: Ja. Zudem standen wir ohne Verstärkung da und ohne Plan B, wenn man unter Druck steht. Dann bekommst du einfache Gegentore. Unser Spiel aus der Bezirksoberliga mit gutem Torwart und schnellen Gegenstößen funktionierte nicht so einfach. Die leichten Tore fehlten. Generell haben wir uns im Angriff sehr schwer getan. Es fehlte einfach die Qualität.

Wäre es nach der Vorrunde mit nur vier Punkten überhaupt noch möglich gewesen, die Liga zu halten?

Vitkovic: Schwierig. Es kam hinzu, dass nicht alle bereit waren, etwas dagegen zu tun. Eine zusätzliche Trainingseinheit wollten viele nicht. Beruf oder Schule standen bei manchen im Vordergrund. Dazu hätten wir in der Winterpause noch mal Gas geben müssen. Das hat nicht stattgefunden.

Letztlich fehlten zehn Punkte zum Klassenerhalt. Hätte man die in der Rückrunde noch holen können?

Vitkovic: Es wäre möglich gewesen, wir haben einige Male unglücklich Punkte abgegeben. Fünf, sechs Punkte mehr hätten wir haben können. In der Rückrunde hat sich gezeigt, dass wir aus den Spielen zuvor auch ein bisschen was gelernt haben. Am Ende haben wir größere Rückstände teils noch gedreht.

Ein Franz-Xaver Hetterich von Rundenbeginn an, das hätte wohl schon einiges ausgemacht, oder?

Vitkovic: Ja, das wäre die einzige Option gewesen. Mit der kompletten Truppe hätte es anders ausgesehen. So gehst du im Hinterkopf schon als Verlierer ins Spiel, wenn du weißt, der und der fehlt.

Wie haben die Zuschauer, die Verantwortlichen während der Runde reagiert? Gab es auch Kritik? Oder haben sie verstanden, dass es so nicht ganz für die Liga reicht?

Vitkovic: Kritik war nicht dabei. Das sind Leute, die sehen, was mit dieser Mannschaft möglich war und was nicht. Diejenigen, die als Spieler vor zehn Jahren selbst in der Landesliga aktiv waren, haben selbst in Erinnerung, welch großer Unterschied das ist, gerade gegen die Spitzenteams mitzuhalten.

War es ein Lehrjahr? Werden die Spieler etwas davon mitnehmen?

Vitkovic: Davon bin ich überzeugt. Gerade die letzten fünf Spiele zeigten, dass die Jungs ruhiger geworden sind, sie spielen nicht mehr so hektisch. Sie wissen: Erst muss die Abwehr stehen, dann kommt der Angriff. Es ist schade, wir haben darauf zwei Jahre hingearbeitet, trotzdem ging es nicht in die erwünschte Richtung. Wir haben dennoch in vielen Dingen auf Bezirksoberliga-Niveau agiert, zweimal Training die Woche ist für einen Neuling zu wenig. Die Gemütlichkeit stand im Vordergrund. In der Landesliga muss man mit einer längeren Anreise zum Spiel rechnen, das haben auch manche unterschätzt. Es war einfach zu viel für die Jungs.

Ist es für den TV Marktsteft in den nächsten Jahren möglich, wieder in die Landesliga zu kommen?

Vitkovic: Wenn die Mannschaft zusammenbleibt, wird sie in der Bezirksoberliga sicherlich wieder oben mitspielen. Die Frage wird sein, ob die Jungs bereit sind für einen zweiten Anlauf.

Wie geht es für Sie weiter? Bleiben Sie als Trainer?

Vitkovic: Nein, ich bleibe nicht als Trainer der Männer. Im Januar habe ich dem Verein mitgeteilt, dass ich im Falle des Abstieges nicht weitermachen werde. Ich wollte eine Pause einlegen nach so vielen Jahren Handball. Wir haben uns mit dem Verein aber verständigt, dass ich kommende Runde die weibliche A-Jugend betreue.

Also doch keine Pause?

Vitkovic: Was ich hörte, haben sich die Mädels das Ziel gesetzt, Bayernliga-Meister zu werden. Das war etwas wo ich sagte, das probieren wir. Frauenhandball ist für mich etwas Neues, da muss ich mich umstellen. Wichtig ist, dass die Mädels wollen, dass sie bereit sind zu trainieren. Die Mannschaft ist gut, Nadine Arlt und Nina Dennerlein haben super Arbeit geleistet. Ich hoffe, ich kann das fortsetzen.